Presse 2012

16. Februar 2012 - Bienenzuchtverein Overath fördert und schult neue Imkerinen und Imker

Das Bienenjahr 2011 brachte einen sehr guten Honigertrag. Honig kann man auch importieren, wenn auch nicht immer in der Qualität regionaler Produkte. Viel wichtiger ist aber die Bestäubungsleistung der Bienen und die kann nur vor Ort erbracht werden. Honigbienen können heute nicht mehr ohne Imker überleben, die ihnen Schutz bieten und eingeschleppte Parasiten bekämpfen. Daher ist es wichtig, Naturfreunde für die Bienenhaltung zu gewinnen.

Der BZV Overath freut sich, wenn neue Imker kommen, auch immer mehr Frauen, die die Bienenhaltung als naturnahes Hobby entdecken. Bienen sind heute viel sanftmütiger als früher, aber immer noch frei fliegende Wildtiere, die mit benachbarten Völker in Kontakt kommen. Daher kann man sie nicht isoliert halten. Alle Bienenvölker müssen den Veterinärbehörden gemeldet werden. Dazu muss man zwar keinem Verein beitreten, die Mitgliedschaft in einem Bienenzuchtverein ist da aber sehr hilfreich, fördert die Information und mit dem Vereinsbeitrag ist auch die Versicherung abgedeckt. Neuimker werden vom Verein gefördert und betreut. Es werden auch praktische Schulungen angeboten. Dabei begleiten Anfänger erfahrene Imker im Jahresverlauf und lernen direkt vor Ort. Dafür werden keine Gebühren erhoben. Die Termine werden nach Bedarf abgesprochen und bei genügend Interesse gibt es Alternativen an verschiedenen Wochentagen. Wer Interesse an dieser schönen und nützlichen Tätigkeit hat, wende sich an einen Imker in seiner Nachbarschaft oder direkt an den BZV Overath. Adressen finden sie unter: www.bienenzuchtverein-overath.de.

Vielleicht kommen Sie auch einmal unverbindlich zum monatlichen Treffen im RBN-Haus (Schmitzbüchel 2, 51491 Overath-Immekeppel). Die Termine finden Sie auf der Website.

Quelle: Mitteilungsblatt Overath - Autor: Armin Kureck

Februar 2012 - Goldene Versuchung

Er erweckt Erinnerungen an eine unbeschwerte Kindheit, im Glas auf dem Tisch schimmert er wie eine Portion eingefangener Sonnenschein: Honig, gesammelt aus Necktar und Honigtau. Er galt den alten Ägyptern als göttliches Elexier. Kinder lieben ihn bis heute und Erwachsene schätzen das süße Lebensmittel aus Mutter Natur, das Imker auch in der Region produzieren. Honig aus dem vielgestaltigen Bergischen Land ist besonders hochwertig und ein echtes Feinschmeckerprodukt.

Schon in der Steinzeit sammelten ihn unsere Vorfahren wo immer sie ihn habhaft werden konnte: Honig. Die süße, zähflüssige Versuchung hat als Wirtschaftsgut, Zahlungsmittel, Medizin und gottliches Elexier eine lange Tradition. Seit die Menschen die Bienenzucht kultiviert haben, gibt es Spezialisten für die Tätigkeit - die Imker. Auch bei Willi Nosbach summt und brummt es. ... Er weiß, das die Imkerei ein Bereich ist, in dem derzeit akuter Nachwuchsmangel herrscht. das Gros des Brotaufstrichs wird impotiert, da der Honig aus heimischen Beständen nur noch 20 Prozent des Bedarfs deckt, den Deutsche futtern. Sie sind Weltmeister im Honigkonsum: Etwa 1,4 Kilogramm vertilgt der Durchschnittsbürger. ...

Nur wenige Meter vom Haus im Dörchen Löffelsterz entfernt, unterhält der Oberberger einige Bienenstöcke. In schmalen Holzunterständen stehen hellgrüne Styroporkisten, die sogenannten Beuten, in Reih und Glied. In ihnen brummt es mächtig. An den kleinen Einflugschlitzen herscht ein reges Kommen und Gehen. Im unteren Teil der Kiste leben die Bienen, im oberen legen sie fleißig ihre Vorräte an. Sind die Waben gut gefüllt entniemmt der Imker sie. "dabei darf man nicht zuviel oder zu früh entnehmen, dann würden die Bienen verhungern." erklärt der Experte - und macht sich wieder an die Arbeit. Schutzkleidung trägt er nicht. Die störe ihn nur, meint er. Ausgestattet mit einem rauchenden Kännchen, dem Smoker, nähert er sich behutsam dem ersten Bienenstock, hebt vorsichtig den Deckel ab und bläst geschickt ein wenig Rauch über die aufgeschreckten Bienen. "Die denken jetzt, es brennt im Wald, und entfehrnen sich für ein paar Minuten. Der Rest sammelt schnell noch Notvorräte, was sie träge macht." Mit ruhigen Bewegungen kontrolliert Willi Nosbach seine Waben. Angst vor Stichen hat er nicht. "Ich habe nur sehr friedliche Bienen. Und ich tu ihnen auch nichts." Stechen sie ihn doch einmal, zieht er den Stachel langsam samt Giftblase schräg heraus. Dadurch halte sich die Schwellung in erträglichen Grenzen.

... In der Honigküche kommt der Honig ins Glas.dazu öffnet der Profi zunächst die Wachsschicht auf den Waben mit einer speziellen Gabel, dann stellt er die ernteschwerden Waben-Rahmen in eine Schleuder, die aussieht wie ein überdimensionaler Kochtopf. In ihr rotiert das Stanzengitter mit den eingestellten Waben-Rahmen, so dass der Honig aus den Löchern schleudert und sich am Boden sammelt. Der Reichshofer seiht ihn nun durch Siebe ab und fängt ihn in große Eimer auf. Hier rührt er ihn noch einmal mit einer Art riesigen Mixer kräftig durch, wodurch auch das kleinste Zuckerkristall-Klümpchen zerschlagen und vorzeitige Kristallation der Masse vermieden wird. Et voilà: Fertig ist das flüssige Gold! ...

Honig ist nicht gleich Honig. In Deutschland ist der Name geschützt. Nur wenn das Produkt bestimmte Qualitätsstandards erfüllt, darf es sich "Honig" nennen. Wichtig ist beispielsweise die Erwärmung bis maximal 40 Grad, die wichtige Inhaltsstoffe erhält, während Importhonig bis 70 Grad erwärmt wird. Möchte ein Imker "Akazienhonig" oder andere Sortenhonige verkaufen ist sogar eine chemische Analyse ist Pflicht. Sie beurteilt Geschmack, physische Aspekte und das mikroskopische Pollenbild der klebrigen Leckerei, wobei der namensgebende Inhaltsstoff mindestens 50 Prozent betragen muss. Die Lieblinge unter den Sortenhonigen sind wohl Raps-, Klee-, Heide- und Lindenhonig. "Wir im Bergischen haben aber keinen reinen Sorten- sondern Mischhonig", erklärt Willi Nosbach. "Ich bevorzuge deshalb den Ausdruck "Frühtracht" für meinen im Frühjahr gewonnenen Honig. Er ist feincremig, mild und sehr süß. Die nächste Ernte nenne ich "Sommertracht", sie ist dunkler und würziger." Um die bergische Herkunft des Honigs und seine Güte zu betonen, vermarktet er ihn unter der Marke "bergisch pur". Dieses Gütesiegel darf nur verwenden, wer seine Produkte ausschließlich im Bergischen Land erzeugt, strenge Produktstandards einhält und einen Beitrag zur Erhaltung der Kulturlandschaft leistet. Letzteres fällt Imkern leicht, schließlich sind es ihre Bienen, die die Bestäubung der Kulturpflanzen sichern.

... Häufig ist Honig trüb, sein Charakter cremig bis fest. "Früher oder später kandiert jeder Honig. Das ist normal und hängt von seinem Anteil an Traubenzucker ab. Je höher er ist umso eher passiert das." Auch eine weiße Schicht auf dem Honig, die sogenante Blütenbildung, ist natürlich: Es sammeln sich an der Innenseite des Glasses kleine Luftbläschen und aufgehellte Kristalle.

Nicht jeder Imker ist so ortsverbunden wie Willi Nosbach. Es gibt auch Wanderimker, zum Beispiel Heinrich Hausstätter. Der Bergisch Gladbacher Bienenfreund zieht mit seinen 20 Völkern in jeder Saison an mehrere Standorte. Nicht nur im Stadtteil Bärbroich und Overath-Immekeppel, sondern auch weit entfernt von der Heimatregion. Zu den neuen Standplätzen transportiert er seine Schützlinge in gut verschlossenen Kisten per Anhänger. "An meiner Lindenblütenallee in der Eifel oder neben einem riesigen Rapsfeld in der Pfalz bekomme ich größere Erträge - mit einem herlichen Geschmack", begründet er seine Wanderfreude. Bis zu 800 Kilogramm Honig konnte er im letzten Jahr verarbeiten. Aber er bietet auch regionale Spezialitäten an und schwärmt von hiesigen Sorten: "Im Bergischen zeichnet sich unser Honig durch seine Vielfalt aus. Er ist so typisch wie unsere Landschaft mit ihren Blütenwiesen, Obstbäumen und Wäldern und eher würzig. Jede Ernte fällt anders aus, das macht ihn so lecker." Ein Renner bei Heinrich Hausstätters Kunden ist sein "Bärbroicher Sommer", ein goldgelber und fester Honig mit leckerem Löwenzahn-Anteil. Zum Probieren und Hausverkauf sind Honigfreunde auch ohne Voranmeldung willkommen. Trifft man ihn mal nicht an, steht er bestimmt gerade auf einem der vielen Wochenmärkte in der Umgebung oder demonstriert sein Gewerbe bei einem Museumsfest.

Das Imkerei und Naturschutz am besten Hand in Hand gehen, dafür ist Marianne Kehres ein Beispiel. Sie ist eine der wenigen weiblichen Vertreterinnen im Honiggeschäft. Ihre Erzeugnisse stammen von 20 Völkern, die sie in und um ihren naturnahen Garten in Nörverhof, einer Ortslage von Much, platziert hat. In ihrer grünen Oase schließen sich üppige Staudenbeete an einen bergischen Bauergarten an. Im unmittelbaren Flugradius ihrer Bienen befinden sich Wiesen, Weiden, Laub und Tannenwälder - erfolgreiche Grundbedingungen für wohlschmeckenden Honig. Die Imkerin arbeitet ökologisch bedacht. Ein konsequenter Ansatz, der sich bezahlt macht: Sie erhielt bereits eine Auszeichnung für ihr Gärtnern mit der Natur. Wichtig ist ihr neben der artgerechten Bienenhaltung vor allem auch die behutsamme Pflege ihrer Völker. Sie erfreuen sich besonders an ihrem Sommerhonig vom letzten Jahr, der aufgrund seines hohen Kleeanteils von zart weißer Farbe und herrlich im Geschmack ist.

Honig ist wegen seiner leicht entzündungshemenden Wirkung als Volksheilmittel beliebt und zudem gern verwendete Zutat beim Kochen und Backen. Doch sollte er möglichst erst nach der eigendlichen Garzeit in Gerichte oder Getränke kommen, um ihn und seine flüchtigen Inhaltsstoffe zu schonen. Wanderimker Heinrich Hausstätter schwört auf ein Fleischgericht: "Probieren Sie mal einen Geflügelbraten, den sie zehn Minuten vor Ende der Backzeit mit einen köstlichen Maronenhonig bestreichen. Sie erhalten so eine traumhaft knusprige Haut, ein wahrer Genuss für Feinschmecker!"

Richtige Lagerung verlängert die Freude am "flüssigen Gold". Ein Honig erhält seien typischen Geschmack, wenn er bei 16 bis 18 Grad trocken und Dunckel steht. Und den Deckel stehts gut verschließen, da Honig fremde Atome und Gerüche anniemmt! Auserdem zieht er Wasser an und könnte durch Feuchtigkeit an der Oberfläche gären. Ist der Brotaufstrich fest geworden, ändert sich an seiner Güte gar nichts. Und ins warme Wasserbad - unter 40 Grad - getaucht, lässt er sich im Nu wieder verflüssigen. Oft reicht es sogar ihn auf die Heizung zu stellen, um ihn wieder streichfähig zu bekommen...

Quelle: rhein&berg - Autorin: B. Natalie Brincks - Vollständiger Text in der "auslese" Ausgabe 2/2012